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Aktualisiert 19.03.2017

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Kleintierzuchtverein Thurnau und Umgebung ist hundert Jahre jung!

Dicht eingemummte Gestalten begeben sich aus den verschiedensten Richtungen des Ortes auf den Weg. Ihre Mantelkrägen sind hochgeschlagen, die Hüte tief ins Gesicht gezogen. Der harsch gefrorene Schnee knirscht unter ihren Stiefeln bei jedem Tritt. Der Atem gefriert bei jedem Zug und überzieht ihre Bärte mit einer weissen, harten Schicht aus Eis.

Es war ein bitterkalter Abend an diesem 26. Januar anno 1902.

Der Laternenanzünder hatte bereits seit einigen Stunden am Marktplatz und in den bedeutenden Gassen für etwas Erhellung gesorgt. Das Flackern der Gaslaternen lässt ihre Schatten im silbrig glitzernden Schnee tanzen. Ihr Ziel war die Trendel’sche Gastwirtschaft um einen Verein zur Hebung der Geflügelzucht zu gründen.

So oder ähnlich könnte es sich damals zugetragen haben, als sich mehrere Thurnauer Honoratioren und Liebhaber von Rassegeflügel dazu entschlossen, den Geflügelzuchtverein Thurnau und Umgebung aus der Taufe zu heben.

Grosse Bauernhöfe gab es früher in Thurnau nicht, denn die Felder und Wiesen gehörten fast ausschliesslich der ‚Schlossherrschaft’. Und dennoch wollte der ”kleine Mann” auch ein paar Enten, Hühner, Tauben, Hasen usw. für seinen Bedarf haben. So waren damals in vielen Haushalten Kleintiere zu finden. Ohne die eigene „Gaas“ war eine Versorgung der Familie mit Frischmilch undenkbar, ohne die eigene „Henna“ war man auf einen Bauern angewiesen, der einem vielleicht einige Eier für teueres Geld überliess.

Und wer in der arbeitenden Bevölkerung hatte damals schon viel Geld zur Verfügung? Automobile kannte man zu der Zeit noch wenig. Enten, Gänse und Hühner prägten das Strassenbild. Wenn, dann unterbrach lediglich das Klappern der Hufe und das Rattern Eisenbereifter Holzräder eines Pferdefuhrwerks oder Ochsengespanns die idyllische Stille unseres Heimatortes. Mit einem Hahnenschrei geweckt zu werden, war das Normalste auf der Welt! Auf den Dächern konnte man sich am Gurren und Balzen der frei fliegenden Tauben erfreuen. Heutzutage dagegen ist jeder besorgt, dass sein Dach nicht vollgesch.... wird, und das morgendliche Wecken ist eine vollelektronische Angelegenheit – wenn man nicht vorher bereits durch den Verkehrslärm aus dem Schlaf gerissen wird. So ändern sich die Zeiten!

Laut Protokoll waren es acht Mann, die als die Gründungsmitglieder verzeichnet sind. Als 1.Vorstand wurde Paul Wölfel, als 2.Vorstand Friedrich Tauer gewählt. Aus dem Protokollbuch ist zu entnehmen, dass die gute Aufwärtsentwicklung in den folgenden Jahre in erster Linie diesen zwei Männern zu verdanken war. Zu dem anfänglich ”kleinen Häuflein” von Leuten gesellten sich immer mehr dazu, so dass in den Jahren bis Kriegsbe-ginn ’39 der Verein so zwischen 20 bis 30 Mitgliedern schwankte. Besonders in Heinrich Friedmann, der von 1928 bis Kriegsende Vorsitzender war, hatte der Verein einen Mann, der als einer der „eifrigsten und erfolg-reichsten Züchter” und ”bestens bewährter Preisrichter” schon zur damaligen Zeit weit über die Grenzen Ober-frankens hinaus bekannt und beliebt war.

Bemerkenswert ist, dass seit Bestehen des Vereines bis zum heutigen Tag der Posten des 1.Vorsitzenden nur 6 mal gewechselt wurde.

Im Jahre 1908 dürfte wohl die erste Ausstellung in der Geschichte des Vereines abgehalten worden sein. Man führte eine Junggeflügelausstellung in der ‚Tauer’schen Kegelhalle‘ zu Thurnau mit 46 Nummern durch. Interessant ist es, in der Ausstellungsordnung zu dieser Schau nachzulesen, dass damals Großgeflügel und Farbentauben paarweise ausgestellt wurden und neben dem Standgeld für den Stamm Großgeflügel (1/1) 2 Pfund, für 1 Paar Tauben 1 Pfund “gutes Körnerfutter” mitzubringen, oder an Stelle des Futters 100 M für 1 Pfund Futter zu zahlen sind.

Parallel zum Geflügelzuchtverein trafen sich am 6. Nov. 1910 in der Gaststätte Friedmann am Marktplatz 20 Interessenten in einer öffentlichen Versammlung, um einen Verein für Kaninchenzüchter zu gründen.

Am 31. Dez. 1934 u. 1. Jan. 1935 wurde eine „Lokalschau“ im Saale des ‚Fränkischen Hofes‘ zu Thurnau abgehalten mit 58 Nummern Hühner und 98 Nummern Tauben.

In der „Fachpresse“ wurde über diese „hervorragende Geflügelausstellung“ berichtet: Originalzitat von damals:

Der GZV Thurnau u. Umgebung habe bewiesen, dass er mit seinem Zucht- und Ausstellungsmaterial auf „sehr hoher Stufe“ steht. Nach dem Urteil von Paul Sengefeld, Nürnberg, der Vorsitzender der Bayerischen Preisrichtervereinigung (Fachschaft 2 – Rassegeflügelzucht) ist, und als eine „Kapazität“ gilt, ist das ausgestellte Tiermaterial ganz hervorragend; die ‚Spitzentiere‘ sind für grösste Konkurrenz fähig und würden diese „mit Ehren“ bestehen. Da Sengefeld seit vielen Jahren auf den großen Ausstellungen seines Amtes als Preisrichter waltet, ist seinem Urteil grösste Bedeutung beizumessen.

Neben überregionalen Schauen fand auch fast jährlich, seit dem Jahre 1908, die vereinsinterne Ausstellung statt, anfangs als „Junggeflügelschau“ betitelt und später als „Lokalschau“ protokolliert!

In den Kriegsjahren dann wurde es etwas ruhiger um den Verein.

Schon am 26. Dez. 1945 hatten die Kaninchenzüchter unter Vors. Gack wieder die 1. Versammlung mit 9 Züchtern. 1947 findet wieder die erste Ausstellung statt. Nun gab es wieder regelmäßig Versammlungen, die gut besucht waren.

Nach Kriegsende fand man sich vom Geflügelzuchtverein erst im Jahre 1949 wieder zusammen. Unter großer Anstrengung von Zuchtfreund Carl Bayer, Thurnau, der sodann auf der Hauptversammlung am 29. Juni ’49 als 1.Vorstand gewählt wurde.

In Jahre 1950 fand dann am 25. u. 26. Nov. die erste Lokalschau nach Kriegsende statt. Mit 136 Tieren im Saale des ‚Fränkischen Hofes‘ zu Thurnau. Vorstand Carl Bayer gab in seinem Jahresbericht zu Protokoll: „Die Qualität des ausgestellten Materials zeige bereits, dass unsere lieben Züchter wieder im Kommen sind.“

1956 verstarb Heinrich Friedmann. Bei den anstehenden Neuwahlen wurde Herbert Gemeinde als 1. und Carl Bayer als 2.Vorstand gewählt.

Im Jahre 1958 rief man eine Jugendgruppe ins Leben. Dieser schlossen sich sogleich 12 „Jungzüchter“ an. Als Jugendgruppenleiter fungierte Emil Bär.

Auf der Jahreshauptversammlung am 27. Januar 1974 gibt 1. Vorsitzender Herbert Gemeinde nach 18 Jahren Vorstandschaft seinen letzten umfangreichen Jahresbericht ab. Bei den Neuwahlen wurde Klaus Gebhard mit nur 2 Gegenstimmen zum 1.Vorsitzenden gewählt, 2.Vorstand wurde Lothar Bär. Nach Beendigung der Wahlen beschloss die Versammlung, Herbert Gemeinde für seine außerordentlichen Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

Auf der Mitgliederversammlung im Mai 1975 wird der Beschluss gefasst, dass ab sofort auch „Züchterfrauen“ zu den Versammlungen zugelassen sind! Erstmals in der Geschichte des Vereines und wahrscheinlich auch einmalig in ganz Oberfranken soll in diesem Jahr ein „Hähnekrähwettbewerb“ im Garten von Zuchtfreund Friedhelm Seidel stattfinden. Der Wettbewerb war ein voller Erfolg, und wurde so, meist bei Berthold Popp veranstaltet, zu einer ständigen Einrichtung im Vereinsleben. Ein Jahr später wurde unser erstes „Sommernachtsfest durchgeführt.

Am 13. Sept. `87 verstarb unser langjähriger 1.Vorstand und Ehrenvorsitzender Herbert Gemeinde.

Am 22. Oktober 1999 erfolgte der Zusammenschluss des Geflügelzuchtvereins Thurnau und Umgebung mit dem Kaninchenzuchtverein Thurnau und Umgebung. Nach kurzer Beratung einigte man sich auf den Namen des neuen Vereins; er soll nunmehr „Kleintierzuchtverein Thurnau und Umgebung“ lauten!

Das Jubiläumsjahr 2002 wurde am 26. Januar gleich richtig mit einem zünftigen Schlachtfest eingeläutet, fand im Juni mit dem Züchtertreffen „Haar und Feder“ und einem Festakt seine Fortsetzung. Im September folgte ein offenes Hähnewettkrähen und im Dezember beschließt die von uns ausgerichtete Kreisschau mit Jubiläumsschau in der Dieter-Ganzleben-Halle die Feierlichkeiten.

 Im Jahr 2003 übergab Klaus Gebhard,      nach 29 Jahren, das Amt des              1.Vorsitzenten in jüngere Hände.           Aufgrund seiner überaus erfolgreichen     Arbeit, wurde er zum Ehrenvorsitzenden    ernannt. Klaus Gebhard prägte diesen      Verein wie kein anderer. Mit viel            Engagement, Fachkenntnis und Weitsicht  wuchs unter seiner Führung der           KTZV Thurnau zu einem der grössten      Vereine im Kreisverband und zu einem     Verein mit besten Ruf in ganz Bayern, ja    im ganzen Bundesgebiet.

 Nun, liebe Leser,

 dies war die Geschichte unseres Vereins.   Es gäbe noch über viel mehr zu berichten. Über die überaus erfolgreichen Zuchtfreunde unseres Vereins beispielsweise, die Deutschen und Bayerischen Meister, die Erringer Blauer Bänder und Siegerbänder, oder über die Vielzahl von uns in Thurnau durchgeführten Sonderschauen, Kreis- und Bezirksschauen, Sommertagungen und Vieles mehr.

Ich glaube aber, es konnte doch ein kleiner Einblick in den Verein vermittelt werden, in einen Verein, der es verstanden hat, über 100 lange Jahre hinweg Menschen zu führen und zusammenzuhalten, Jugendliche zu gewinnen und für das Geschöpf und die Natur zu begeistern.

Berthold Popp, Klaus Gebhard, Fritz Müller